Ich stand zwischen Pizza-Bäckern und Pasta-Köchen und wartete in der Küche auf eine Portion Spaghetti Calabrese zwecks Komplettierung einer auszuliefernden Kommission. Chefkoch, die erforderliche Sauce rührend, sprach vom Tunneln von Ohren, einer deutschen Sitte, die ihm immer noch fremd war. Kollege Jamal auf der anderen Seite der Küche, Angehöriger einer anderen, einer weiteren ethnischen Minderheit, gar habe sich, so erzählte er mir, ein ganz anderes Körperteil tunneln lassen und dafür auch zwei Einsätze verschiedener Höhe.

Ich wusste, es würde eine dieser besonderen Schichten werden, als sich genau in diesem Moment Blondie, Kellnerin/Abiturientin/hauseigenes Genie, nach vorne beugte, um eine Abholung vom Boden aufzunehmen und uns freie Sicht auf das gewährte, was ihr Freund an ihr ausser ihrem Verstand schätzte. Einen Beinah-Zusammenstoss und eine wilde Adressen-Suche später stand ich an der Tür einer jungen Frau. Hinter ihr konnte ich ihr Schlafzimmer sehen, einen Vogelkäfig, einen kleinen Fernseher, eine Matratze für ihre Tochter, eine für sie und den Hund.

Ich konnte mir spontan vorstellen, wie sie auf dieser Matratze etwas anderes tat als schlafen. Ich konnte mir nur nicht vorstellen, dass sie es mit mir tat. Ihr lag dieser Gedanke mindestens genauso fern. Wie schön ist es immer, wenn Menschen sich einig sind.

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