Ich hätte gerne ein Glas Milch

Die Kundin hob nacheinander ihr Getränk und ihre Pizza auf. Ich betrachtete mir ihren vollsortimentigen Milchladen – zweimal – und fragte mich, ob der Kunde davor vielleicht versucht hatte, mit mir zu flirten. Das wäre verwirrend – ich war doppelt so alt wie er, geniesse als Pizzafahrer einen niedrigen sozialen Status und habe die erotische Ausstrahlung einer grauen Filzsocke.

Davon abgesehen wirft diese Tätigkeit nur die Frage auf, ob ich wirklich mein Leben lang so wenig verdienen will, dass ich weiterhin neapolitanische Flachkuchen ausliefern will. Diese Art Frage ist mir so neu wie die Verbindung von Arbeit und Entlohnung. Bisher war es mir genug zu arbeiten. Dieser Kapitalismus à la mode de Lahore ist ein Stimulus im Sinne der Katastrophentheorie, die Entwicklung ein Zwangswachstum.

Ich wollte immer schon einmal wissen, wie es ist, so denken zu können. Der Ansatz ist allerdings nicht unproblematisch. Als ich das letzte Mal triefnass zuhause ankam, wurde mir klar, dass ich mir ohne Paulas lebenslanges Liebes-Defizit und die acht Katzen, mit denen sie versucht, das Problem zu lösen, schon vor Jahren ein Auto hätte leisten können.

Ich hätte mir dann einen anderen Job suchen können, ein, der mir Spass gemacht und der mir mehr Geld gebracht hätte. Ich habe in Sagen und Legenden von solchen Jobs gelesen.

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