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Vorurteile behindern nicht nur den, der ihr Gegenstand ist, sondern stets auch den, der sie hat. Ich habe in meiner langen Berufstätigkeit mit den verschiedensten Menschen zusammengearbeitet, von Westafrikanern bis zu Neo-Nazis. Dabei haben die Afrikaner keinen anderen Vorbehalt gegen die Rassisten, als den, dass sie Rassisten sind, während jene sich schwertun, sich in ein Team mit Einwanderern zu integrieren und man sie daher am Besten gleich gar nicht einstellt.

Auf ein anderes Vorurteil stiess ich vor einigen Tagen in Hattingen. Dort unterstellte mir ein unbekannt bleiben wollender Mitbürger angesichts des quasi neuen EMW Astoria, den ich hinter dem Hotel geparkt hatte, Wohlstand und Besitz. Sogleich fühlte er sich berufen, die hintere Seitenscheibe des Firmenwagens einzuschlagen und meinen Rucksack zu entwenden. Seine Beute belief sich auf etwa 12 Ecu in Kleingeld, zwei Päckchen der beliebten Ramen-Nudeln, die man bei Netto für 49 Centimes erwerben kann, eine Kollektion USB-Sticks, ein Schweizer Soldatenmesser und ein Datenkabel. Da er wahrscheinlich nicht organisiert ist, hat er denn auch keinen Anspruch auf kostenlose Behandlung der sich bei dieser Beute unweigerlich einstellenden Depression durch einen Psychologen der Diebes-Gilde.

Mich aber zwang das, die Gendarmen zu rufen und danach das Fenster abzukleben. Nach genauer Überlegung entschied ich mich übrigens für eine Applikation in einem zur Wagenfarbe passenden Mülltütenblau. Und genau so übernahm meine Kollegin Nicole am nächsten Morgen den EMW, um sich und ihre Blasenentzündung auf dem schnellsten Weg in die Heimat zu befördern. Der schnellste Weg war dabei nie schneller als 110 km/h, da sich bei einer höheren Geschwindigkeit mein Scheiben-Ersatz von seiner Befestigung gelöst hätte. Mich selbst liess sie mit dem Nassauer auf der Hausmesse von Onkels Kleinem Baumarkt zurück, einer Einzelhandelskette, die vor allem im Westen und Nordwesten Deutschlands ihre Filialen hat.

Dummerweise bestand der Nassauer dann umgehend darauf, meine Vorurteile über seine kognitiven Kapazitäten zu bestätigen, womit sie keine Vorurteile mehr waren, sondern eine zutreffende, da auf Beobachtung basierende Beurteilung. Da ist es vielleicht keine schlechte Entscheidung von ihm, beim Kunden-Kontakt einfach zu replizieren, was andere ihm gesagt haben. Das setzt natürlich voraus, dass ich mir überlege, was ich ihm sage.

Abgesehen von seinem eher schlichten Gemüt ist er aber ein freundlicher Mensch, der mir das erste indische Abendessen meines Lebens bezahlt hat, und mich auf dem Rückweg mit einer Auswahl heiterer Schwänke unterhielt, die sich in einer Häufigkeit um Pornografie und Peep-Shows drehten, die für eine gewisse Bedürftigkeit sprachen. Da er gerade einmal 40 Stunden lang nicht zuhause bei seiner lieben Frau gewesen war, unterstellte ich ihm mit etwas Vorsicht den Sexualtrieb eines Kaninchens. Und schwieg hingebungsvoll über alle Erfahrungen, die ich mit heiteren Filmen dieser Art hatte. Ich gab allerdings und auch das nur mit viel Zurückhaltung zu, dass mir die Namen der bekannten amerikanischen Schauspieler Tracy Lords (Blade, Cry-Baby), John Holmes (Boogie Nights, Wonderland) und Ron Jeremy (Return to Nuke ‚Em High Vol.1) nicht völlig unbekannt waren.

Ich sammelte unterwegs Nicoles Peugeot ein und eilte mich dann, mich von Paula deswegen oder aus einem anderen Grund herunter machen zu lassen. So enden alle meine Abenteuer.

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