Tod dem Nonkonformismus!

Ich bemerke an mir eine gewisse Bereitschaft, mich zu wiederholen. Deutet dies nun auf den Beginn altersbedingter Demenz oder auf emotionale Verwirrung, weil einmal mehr offene Kampfhandlungen den bewaffneten Frieden zwischen Paula und mir ersetzt haben? Am meisten darunter zu leiden hat wohl Maniac, der allerdings selbst ein wenig verwirrt scheint. Immerhin will er seiner Tochter ein Samsung Galaxy S2 schenken und glaubt, dass sie nicht als erstes Whatsapp installiert.

Zwar habe ich ihm schon die Freuden der Kettenbriefe und sinnfreien Videos dargestellt, der Gerüchte und urbanen Legenden, die über dieses Medium unter den Präadoleszenten umgehen, ich zweifle jedoch, dass er mir geglaubt hat. Dabei haben mir Jean-Baptiste und seine Schwester doch vor kurzem eine umfangreiche Schulung in diesem Sujet gegeben, das mir sonst trotz seines bizarren Charakters sicher entgangen wäre. Einfachen Gemütes verwende ich Whatsapp nur, um Paulas Anweisungen auf die bequemst-mögliche Weise in Empfang zu nehmen, und um dem Poliziotto und Strasssteinchen gelegentlich heitere Filme zukommen zu lassen.

In der Teenager-Welt aber ist 2015 Whatsapp unabdingbar und ein Mobiltelefon ohne diese Applikation völlig unvorstellbar. Ein anderes Betriebssystem als Android ist, wie ich in diesem Zusammenhang gelernt habe, so exotisch wie die Idee, Kleidung zu kaufen ohne darauf zu achten, ob sie zu einem streng definierten Kanon von Marken gehört. Erwartungsgemäss gehört Cunda nicht dazu. Ich wäre durchaus bereit, diesen Mangel an Nonkonformismus auf den Einfluss Chinas zu schieben, respektiere die chinesische Kultur aber auf der anderen Seite viel zu sehr, um damit auch den Hang zu Hip-Hop und Gangster-Rap zu begründen.

Immerhin scheinen mir in diesen Richtungen der Tonkunst Jungen eine Insel der Bestätigung im Konflikt zwischen frischem Testosteron und weichgespülter Gesellschaft zu finden. Wer sein Leben mit einem Mangel an männlichen Bezugspersonen und einem Überschuss schulisch verordneter political correctness verbringt, muss ja zwangsläufig zu extremen Mitteln greifen, um sich als Besitzer eines Y-Chromosoms in dieser Welt zu definieren. Oh, griffe er dann nur auch umgehend zu Kopfhörern! Leicht wäre es mir gefallen, ohne jede Kenntnis dessen zu leben, was Bushido und Alligatoah jener Sprache antun, die ich so liebe.

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