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Bastoncini di Pesce e Patatine

Zu meiner Überraschung deutete der Nassauer an, im Oktober selbst Kunden vor Ort schulen zu wollen. Sehe ich hier sein Engagement zu den Höhen seines Gehaltes empor wachsen oder nimmt er eine Entscheidung vorweg, die ein noch einzustellender Verkaufsdirektor unvermeidlich treffen wird? Das hatte ich so nicht vorgesehen, und es gefährdet meinen Plan, Feronia unter Hinweis auf die zusätzlich übernommenen Aufgaben um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Denn alle Versuche, meine Zweit-Karriere als Nacht-Kassierer an Tankstellen wieder aufzunehmen, scheiterten bis jetzt noch, mir die Perspektive auf einen Winter ohne Heizöl eröffnend.

Um nun zu retten, was gerechnet in Spesen und Spass zu retten war, betankte ich den brandneuen EMW Astoria mit zweifach raffiniertem Frittenfett. aktualisierte die Playlist meines Mobiltelefones und meine beiden bevorzugten Apps, Le Pantagruel – Satt für weniger als 4 Ecu und Webley 45 – die Übersetzersoftware, mit der man überall verstanden wird, und brach begleitet vom Geruch nach Fischstäbchen und in kochendem Öl bereiteten Kartoffelstaebchen und Paulas frommen Wünschen nach Westhafen auf. Da war von verschlossenen Türen die Rede, vor denen ich bei meiner Rückkehr stünde. Aus einer gewissen Vorahnung heraus hatte ich mir vom Nassauer für diesen Fall eine zusätzliche Übernachtung in einem örtlichen Hotel genehmigen lassen.

Nach der Schulung besuchte ich die Sehenswürdigkeiten von Westhafen, die historische Altstadt aus der Zeit, als die Stadt noch eine der See-Republiken war, das Umwerfende Roller-Kaufhaus mit seinem beeindruckenden Angebot und die beiden temporären Anomalien. Eine ist eine schmale Gasse, die mit Einbruch der Dunkelheit in die 1920er Jahre zurückfällt, die andere ein Bereich des Hafens, in dem Segel-, Dampf und Motorschiffe aus verschiedenen Jahrhunderten nebeneinander liegen und wo auf dem Kai die Toten mit den Sterblichen tanzen, ubrigens vor allem lateinamerikanische Standardtänze. Es erinnerte mich an die Beschreibung, die Michael Scott Rohan in „Chasing Morning“ von einem New Orleans (http://www.users.zetnet.co.uk/mike.scott.rohan/first_page.htm) in der Spiral-Welt gibt.

Papa Legba sah ich allerdings dort nicht, wohl aber etliche Libanesinnen in Röcken und Hosen von begrüssenswerter Kürze. Das erinnerte mich auch an etwas, allerdings an etwas, das mir vor langer Zeit abhanden gekommen war. Eingedenk dessen, was mir Paula mit auf den Weg gegeben hatte, wandte ich mich nicht nach Hause, sondern nach Trier, um mich dort auf Kosten der Illinois Electro Door in einem Hotel einzuquartieren. Damit entledigte ich mich eines Wunsches, den ich seit vielen Jahren gehegt hatte, stellte aber auch einmal mehr meinen mangelnden Sinn für das Praktische unter Beweis. Besser wäre ich nach Hagen, Contiomagus oder St. Bessus gefahren, wo die Hotels bei gleich schlechter Qualität billiger sind, und ich meine Hoffnungen hätte nähren können, an diesen Ort umzuziehen. Außerdem ist man schneller wieder im Hotel, wenn man sein Kissen vergessen hat.

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