Die Maske des Grauens ist das Gesicht von James Spader

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Was sagt ein Verbrecher über die Gesellschaft aus, in der er lebt? Was sagt die Maske über den aus, der sie trägt?

Raymond Reddington trägt das glatte, breite Gesicht von James Spader als Maske, hinter dessen Harmlosigkeit verbergend, dass er ein Soziopath ist, ein skrupelloser Verbrecher, der vor nichts zurück schreckt, ist der Ertrag nur gross genug. Diese Maske ist gerade deshalb schreckenerregender als die Strumpfmaske eines schlichten Strassenräubers, weil sie die des Geschäftsmannes ist, von dem wir erwarten, dass er vielleicht das Leben tausender Menschen ruiniert, aber nie, dass er einen tötet, dass er Blut fliessen lässt. Und doch verrät uns diese Maske, wer sich hinter ihr verbirgt, nennt eben dieser Balance-Akt uns den echten Namen Reddingtons. Nun, nicht seinen echten Namen, dennn den kannte nie jemand, aber doch den, unter dem er in Frankreich bekannt war, seiner Heimat, so er denn eine hätte, sein Ursprungsland.

Es verrät ihn ebenso sein Grössenwahnsinn, die Grossartigkeit seiner Verbrechen, sein Mangel an Gewissen, an Bedenken, an Rücksichtnahme auf irgendwen, der nicht seine Tochter ist, seine neurotische Liebe zu ihr, die nicht mehr Helene heisst, sondern Elisabeth, der Zweifel des Aussenstehenden, ob sie seine Tochter ist oder nicht, die Anziehung, die er auf sie ausübt, und die sich mit dem Schrecken, die sie vor ihm hat, die Waage hält. Er ist Fantomas, der Erz-Verbrecher, der in Frankreich vor und kurz nach dem 1. Weltkrieg sein Unwesen trieb, und nun in den USA wieder auftaucht, frisch rasiert und ungeläutert, aber von den sexuellen Konnotationen befreit, die die schlichteren Gemüter der heutigen noch mehr beunruhigen würden als die in dieser Beziehung weniger schlichten Gemüter ihrer Vorfahren. Ebenso deutet er im Gespräch nur seine grossen Schurkereien an, die Darstellung im Film beschränkt sich auf jene bescheideneren, plakativeren, die plumpe Gewalt erfordern. Damit erscheint er sanftmütiger als selbst die „Guten“ in einer Serie wie „24“.

Eine umfassendere Darstellung hätte gewiss die Grenze zwischen ihm, dem Verbrecher, und hart arbeitenden Unternehmern verwischt. Und das sagt uns einiges über unsere Gesellschaft. Sie ist ausserdem offensichtlich daran gewöhnt, wenn die Kunst(figur) durch Blut watet, behält die Darstellung von Sexualität aber der streng in ihren Ausdrucksformen geregelten Pornografie vor. Die Polizei kommt in „The Blacklist“ recht schlecht weg. Sie ist wenig mehr als Hilfsorgan Reddingtons-Fantomas‘, das er nach Belieben manipuliert, um seine eigenen Ziele zu erreichen. Ihre Mitglieder sind ihm bei allen technischen Möglichkeiten, auf die er gerne zurückgreift, intellektuell unterlegen, ein Kommissar Juve ist nicht in Sicht, der ihm gewachsen wäre.

Reddington ist aber eben auch, was Honoré de Balzac einen Zehntausender nannte, ein Berufsverbrechern, der nichts unternimmt, das weniger als 10.000 Francs einbringt, in seinen Zeiten ein üppiges Jahresgehalt, wieder schwer von bestimmten Unternehmern und Politicos zu unterscheiden.

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