Auf der Jagd nach Lebkuchen und Abenteuern

Auf der Jagd nach Lebkuchen und Abenteuern

In liebevoller Kleinarbeit mühte ich mich, Wells davon zu überzeugen, er möge doch am Freitag eine Schulung tief in den deutschen Südstaaten halten, jenem Anschlussgebiet Süd, das 1871 nur mit Vorbehalten und einigem Widerstreben in unser Staatswesen aufgenommen wurde. Fast wäre es mir sogar gelungen, als es dem Veranstalter einfiel, sie auf den Donnerstag zu legen.
Da ich mit dem Karma jener gesegnet bin, die in anderen, früheren Leben als Serienmörder unterwegs gewesen waren, war ich nicht überrascht. Ich buchte ein Zimmer im Grand Hotel und nahm dann den Kampf mit unserer Stamm-Autovermietung auf. Die dreimalige Eingabe gleicher Angaben auf ihrer Internet-Seite brachte mir drei verschiedene Preise und beim Versuch, sie anzurufen, brach das Telefonsystem zusammen. Am Ende beförderte mich unser Datsun in den Süden.

Die Schulung war leicht, waren die meisten Teilnehmer doch Veteranen, die vor kurzem noch im Rock eines anderen Herren die Produkte eines Mitbewerbers vertrieben hatten. Sang ich ihnen die ersten Noten vor, kannten sie die Melodie. Das beförderte mich angenehm flott ins Grand Hotel, bei dem es sich um eine Pension für reisende Monteure, urlaubende Tschechen und berentete Niederländer handelte. Ich zog darauf kurz in Erwägung, ob das Palace Hotel nicht die bessere Wahl gewesen wäre, jedoch nur, bis ich diesen Beherbungsbetrieb gesehen hatte.

Ich suchte Lebkuchen und Abenteuer und fand eine angenehme Stadt mittlerer Größe, die eine Hälfte Fachwerkhäuser aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die andere ein klassizistisches Ensemble aus dem späten 19. Jahrhundert, beides vom Krieg unbeschädigt, fast auch von der modernen Stadtplanung verschont, sauber von einer breiten Strasse und einem Platz getrennt. Auf diesem Platz stand dann das Rathaus samt dem alten Stadtgefängnis, die Kopie eines italienischen Palazzo aus dem 14. Jahrhundert.

Da liess ich dann die Hoffnung auf Lebkuchen und Abenteuer fahren und konsultierte meinen Restaurantfuehrer „Le Pantagruel – Satt für weniger als vier Ecu.“ Der empfahl mir einen „Kochlöffel“ zwei Strassen weiter. Da war dann auch der Treffpunkt der Goth-Jugend von St. Michael bei der Furt. Sie sassen alle vier am nächsten Resopal-Tisch. Ein junger Mann, im lokalen Idiom „a Bua“, bastelte einer Mit-Schwarzlerin ein Armband. Zwar erwähnte sie en passant ihren Freund, das bremste seinen Eifer jedoch nicht. Hätte ich ihr gegenüber gesessen, sozusagen Auge in Auge mit dem, was ihr T-Shirt nicht halten konnte, wäre ich auch… hilfsbereit gewesen. Selbst von meinem Platz aus sah es spektakulär aus.

Leider aber kann ich nicht mit Fotos der erwähnten Sehenswürdigkeiten dienen, verlor ich doch die meisten meiner Fotos beim Kopieren vom Mobiltelefon aufs Tablet. Mein Karma ist so zuverlässig wie Paula, die mir erst und sehr ausführlich erklärte, was sie davon hielt, dass ich fort gewesen war, dann was sie davon hielt, dass ich wieder da war, dann wieder, dass ich fort gewesen war. Etwa an dieser Stelle fragte ich mich, wie schwer es wohl wäre, den neuen Verkaufsleiter davon zu überzeugen, mich nach Nebelheim zu senden.

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