Jenseits von Gutundböse

In Orten wie Hagen, wie Gutundböse, wie Mösseln an der Maar gibt es noch Buchhandlungen. Keine Filialen nationaler Medien-Handels-Ketten, sondern kleine, beschauliche Buchhandlungen. Und natürlich auch Buchhändlerinnen. Und Apotheker, die ihren Medikamenten-Handel in der dritten Generation betreiben, Lehrer, die Generationen in einer uralten Schule unterrichten, und vielleicht sogar noch Journalisten, das ganze Spektrum klassischer, bürgerlicher Berufe.

Hier halten sie sich noch, in kleinen Städtchen, die ihnen Rückzugsgebiet sind, nicht aber Reservat. So wird die Veränderung unserer Welt sie früher oder später auch dort erreichen, nachdem sie Berufe wie Schriftsetzer, Werftarbeiter und Bergmann entweder ausgerottet oder in Länder vertrieben hat, die wir vor der Agenda 2010 Billiglohnländer nannten. An die Stelle der kleinen Buchhandlung tritt Schritt für Schritt Amazon, an die der inhaber-betriebenen Apotheke DocMorris, der Lehrer verdient sich längst mit online-Nachhilfe etwas dazu und der Journalist ist nur noch in “Heiter bis tödlich- Zwischen den Zeilen” kein Blogger, kein mit einem IPhone bewaffneter “Bürger-Reporter”.

Betonte die Veränderung eine Generation lang den Unterschied zwischen dem auf Dauerhaftigkeit angelegten Bürgertum und den Arbeitern, Ingenieuren und Managern, die ihrer Arbeit hinterher wandern, nivelliert sie jetzt genau diesen Unterschied und deklassiert dieses kleinstädtische Bürgertum. 

Wir brauchen also unbedingt neue Unterschiede, um neue Klassen zu definieren.Wo kommen wir denn sonst hin?

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