Rafael Sabatinis Roman „The Sea-Hawk“ ist eine Mogelpackung. Natürlich mangelt es darin nicht an Piraten, Schurken, an Verrat, Kämpfen und exotischen Schauplätzen wie ich das von einem ordentliche Abenteuerroman erwarte. Aber Sir Oliver Tressilian, der Held dieser Erzählung, sucht nicht nach Gold, Abenteuern und gut gebauten Sklaven, sondern nur nach Liebe.
Vor allem anderen will er natürlich von Lady Rosamund Godolphin geliebt werden, ein Wunsch, dem im Weg steht, dass sein Bruder den ihren getötet hat. Sabatini formt den Charakter Rosamunds so wenig aus, dass sie vor allem Symbol für alle Frauen ist, der Jungfrauen-Seite im Doppelcharakter der Heiligen Maria nicht unähnlich. Die Geistesgaben, die er ihr zuschreibt, lassen sie allerdings für jeden anderen als Sir Oliver wenig attraktiv erscheinen.

Der aber ist denn immer wieder bereit, sein Leben und das anderer dieses Liebe zu opfern, dazu seine neue Heimat, seine Loyalitäten, seine Freunde, genauso radikal wie er vorher in England noch versucht hat, seines Bruders Lionels Geheimnis zu bewahren und sich gleichzeitig vom Verdacht zu befreien, selbst Peter Godolphin getötet zu haben. Master Lionel dankt es ihm umgehend, indem er ihn nach Übersee entführen lässt. Vom Christentum wendet sich Sir Oliver ab, als ihm auf einer spanischen Galeere mit Peitsche, Kette und Ruder die Seite dieser Religion gezeigt wird, die Kreuzzüge führt und Ungläubige verbrennt.
Sein Übertritt zum Islam ist dann eine rein pragmatische Entscheidung.

Er wäre genauso Jude, Buddhist oder Autoverkäufer geworden, hätte ihm das nur die Freiheit und eine menschenwürdige Behandlung verschafft. Wir können ihm getrost unterstellen, nach dem unausweichlichen Happyend wieder in Schoss der anglo-katholischen Kirche zurück zu finden, spätestens sobald er wieder in seiner friedlichen Heimatprovinz Cornwall ist.

Dabei wäre der Wilde Westen von Königin Elisabeths Reich doch ein adäquaterer Ort für ihn, wo er sich mit den wilden Eingeborenen schlagen und seine Kasse durch den zollfreien Handel mit Wein und mit gebrauchten Schiffen aufbessern könnte, wie man sie den Versicherungen des Kapitäns Edward Teach zufolge gelegentlich auf See findet, sozusagen als Mitbewerber seiner Kollegin Grace O’Malley. Aber ich zog ja stets dem Jim Hawkins den John Silver vor.

http://www.amazon.de/Der-Seefalke-Rafael-Sabatini/dp/3293205712/ref=pd_ecc_rvi_2
http://manybooks.net/titles/sabatinietext02seahk10.html

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