The Good, The Bad and The Hare

Ein Wettbewerbs-Beitrag der IGS Aurich beim Religionspädagogisches Institut Loccum (http://www.rpi-loccum.de/wettbewerbe/jugend/beitr/igs_aurich/geschichte.htm)
fasst in einer Art Genealogie Satans das Basis-Wissen über den Zoroastrismus kurz zusammen:

„Der Mazdaismus enthält einen doppelten Dualismus, da zwischen den Prinzipien Ahura Mazda und Ahriman unterschieden wird, die für Gut und Böse, geistige Wirklichkeit und körperliche Wirklichkeit stehen. Ahura Mazda und Ahriman sind Zwillingsgeister. Der Gläubige hat mehr oder weniger Einfluss auf die Macht des Weltgerichtes, das 9000 Jahre nach der Schöpfung kommen wird, indem sich die Menschen für ein Prinzip entscheiden: Ahura Mazda oder Ahriman.

Ahura Mazda wusste bereits 3000 Jahre vor der Begegnung mit Ahriman von dessen Existenz, weil er auch für die geistige Wirklichkeit steht. Diese Zeit nutzte Ahura Mazda um gute Wesen zu schaffen und somit ist ihm nach Zarathustra der Sieg gewiss. Die böse, teuflische Macht und die körperliche Wirklichkeit, die Ahriman verkörpert, wird in der Awesta als Druj oder Aeshma bezeichnet. Der Gerechtigkeitszustand Ahura Mazdas wird als Asha bezeichnet. Nach dem Aufeinandertreffen der beiden Geister erfolgte ein Wettkampf in der Schöpfung und Vernichtung guter bzw. böser Wesen.

Das Weltgericht wird in 9000 Jahren kommen und die Menschen dienen sozusagen als Siegesbarometer, da diese durch ihre Treue zu Ahura Mazda oder Ahriman den Wettkampf entscheiden. Somit ist das Leben auf der Erde ganz allgemein der Wettkampf zwischen den Prinzipien Gut und Böse. Die Druj oder Teufel Ahrimans sind lügnerisch, trügerisch, sündig und unrein. Unter der Vielzahl der Schergen Ahrimans ist der weibliche Teufel druj mit ihren vier Buhlen Geiz, Ekel (Unhygiene bzw. Unreinheit), Hure, Unzucht.

Wer sich jedoch Ahura Mazda anschließen will, muss ein Leben nach strengen ethischen Weltvorstellungen leben. Um sich die Versuchung des Bösen vom Leibe zu halten, sind Opfer und Gebete in äußerster Regelmäßigkeit wichtig. Jedes Übel der Welt von Krankheit bis Winter ist ein Dämon Ahrimans und solange diese Übel auftreten herrscht nicht der Gerechtigkeitszustand Asha. Kurz gesagt: Wer krank wird oder einmal sündigt, wird als Dämon betrachtet.”

Wir verdanken dem Zoroastrismus also die Vorstellung eines Teufels, der als Sündenbock alle Probleme dieser Welt von einem Gott nimmt, den wir uns als gut vorstellen, so immerhin unsere eigene Beschränktheit darstellend, indem wir ihm Beschränktheit unterstellen.

Wir verdanken dem Zoroastrismus auch Schach, ein Spiel, das die Kosmologie dieser Religion, den strengen Dualismus in Gut und Böse, Schwarz und Weiss, ebenso darstellt wie die streng hierarchisch geordnete Gesellschaft Persiens in jener Zeit. In der Anabasis finden wir den von dieser Vorstellung geprägten Versuch des Perserkönigs, eine Söldnertruppe kampfunfähig zu machen, indem er ihre Anführer ermorden lässt. Das gelingt denn bei diesen antiken Griechen so schlecht wie bei einem globalen Zaibatsu heute, der sich auch nicht still legen lässt, indem man den CEO tötet.

Wer ein Auto der Marke Matsuda Kabushiki-gaisha fährt, tut es im Name Ahura-Mazdas und hat ihn auch gleich am Heck und wer in einem Tata Indica reist, unterstützt ebenfalls die Parsen… oder doch wenigstens eine bestimmte parsische Familie. Das lässt nicht viel Spielraum für ein wenig Ehebruch auf der Rückbank. Mein Mobiltelefon aber gehört zur Serie “Gerechtigkeit Ahura-Mazdas.” Ich fühle mich umgehend zu einer neuen Verschwörungstheorie inspiriert, die die verschiedensten Firmen, Familien und Einzelpersonen in ein System integriert, einen illuminatischen Geheimbund, dessen Ziel es ist, den Fortschritt voran zu treiben und uns en passant mit funktionierenden Produkten und strenger Ordnung zu versorgen.

Ich bin mir allerdings noch nicht ganz klar, wie ich Santa Claus in dieses System integrieren soll. Immerhin ist er die neueste Reinkarnation des Gottes Mithra, der seine Karriere lange vor Zarathustra als Gott des Vertrages begann, sie in Indien ebenso wie in Zoroastrismus und im Römischen Reich fortsetzte, bevor er nach einer langen Zeit im christlichen Untergrund in Amerika eine neue Heimat fand. Wer nichts zu Weihnachten bekommt, weiss, dass es an seinem Fehlverhalten liegt, nicht daran, dass seine Eltern kein Geld haben.

Er behielt seinen Tag im Kalender und die phrygische Mütze, änderte aber seinen Namen zu Ungunsten eines christlichen Heiligen und tauschte seinen Pferde und den Streitwagen gegen Rentiere und einen Schlitten ein. So wacht er nun über die Einhaltung des Contrat Sociale, belohnt die Guten und lässt sich von Hollywood eine neue Mythologie schneidern. Es fehlt ihm de zwaarte Piet, die Ungezogenen zu strafen. Fallweise mag ihn aber ein afroamerikanischer Zellengenosse mit Hormonproblemen vertreten.

Mein Verstand, unzuverlässig, sprunghaft, produziert das Bild einer jungen Frau, ein bisschen Faith Lehane, ein bisschen Lisbeth Salander, aber mit mehr Geschmack in Mode-Fragen, die durch die Strassen einer Stadt auf Long Island geht, begleitet von einem pockennarbigen, haitianischen Wodun-Priester, in ihrer umfangreichen Handtasche geweihte Erde und getrockneten Distel-Samen, um die Dämonen-Diener der Mater Dolorosa zu bannen, des führenden Druj Ahrimans am Anfang des 21. Jahrhunderts. Gleich daneben liegt eine Walter PPK für ihre menschlichen Akoluthen, Ulmer Grüße im Kaliber .380.

Sie sind im Auftrag einer dritten, interessierten Partei unterwegs, angeworben von Dionysos Jones, dürr, schwarz, flamboyant homosexuell, einem der menschlichen Leutnants des Tricksters. Er ist der Gott, der alle Regeln auf den Kopf stellt, Listenreichtum im Fell der Harmlosigkeit, Amoralität im Aszendenten der Freiheit, sexuell so potent wie ambivalent, Michabou, den Menschen auch bekannt als Brer Rabbitt und Bugs Bunny, den der Haitianer Papa Legba nennt.

Ich verbinde das Attentat vom 11. September und das Pentagon, über das ich an anderer Stelle schon schrieb, das Bild einer Anrufung von Dämonen am Strand, das mir dabei in den Sinn kam, den Long Island Killer, die Illuminaten, diverse Mythen und Buffy The Vampire Slayer und mische. Wie bedauerlich ist mein Mangel an Fähigkeiten, der selbst den Dan Browns übersteigt. Das alles klingt allerdings sowieso mehr nach Wolfgang Hohlbein an einem seiner schlechteren Tage.

Roxy wäre ein guter Name für die Heldin. Griffig, zugleich ein gewisses Mass an rebellischen Potential andeutend.

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