Die Strasse nach Jerusalem

Ich begegne mir selbst wieder. Irgendwie hatte ich mich schon vermisst zwischen der normalen Arbeit, den Meetings des Betriebsrates und Paulas ausführlichen Darstellungen ihres Wohnbereichsleiters als von geringerer Intelligenz als ein durchschnittliches Nokia 3310 und sich selbst als tatkräftig, leistungsfähig und ihm in jeder Beziehung überlegen. Diese Einstellung dehnt sie denn auch mal gerne auf mich aus, gelegentlich unterstützt durch das Angebot von Schlägen.

Mein wahres Zuhause bin ich selbst, der, der sein Handy nicht zum Telefonieren benutzt, sondern um e-books zu lesen, neben dem ein alter Kater schnarcht und der jetzt gerade vielleicht lieber in Treveris wäre, ein Beobachter der Menschen, zu denen er keinen Weg findet. Ich bin, der ich bin, und ich gehe jeden Tag meinen Weg zwischen der Anerkennung derer, die mir fern sind, und der Herabsetzung Paulas.

Paula empfand meinen Nebenjob natürlich als Eingriff in ihren privaten Herrschaftsbereich. Ich nahm aus dieser Sache aber mit, dass ich als Industriereiniger arbeiten könnte, wenn es mal nötig sei, eine nützliche Information für jemanden, der das Vertrauen in die Zukunft verloren hat. Zugleich nahm ich mir vor, ein wenig vom Erlös dieser Arbeit abzuzweigen, wenn er überwiesen wird. Ich sehe das sozusagen als meine heilige Pflicht an, Teil eines Ein-Mann-Kreuzzuges, zu dem ich aufgerufen bin, um jenes Jerusalem zu erobern, das ich selbst bin.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s