Den Lebensunterhalt aus Farbresten quetschen

Sich seinen Lebensunterhalt verdienen, bedeutet durch Arbeit eine Grundsicherung zu erlangen, soviel bezahlt zu bekommen, dass man sich davon ernähren kann, kleiden kann, eine Behausung hat. Nicht mehr als das, kein Komfort, eben nur die Abwesenheit von Hunger, Nacktheit und Obdachlosigkeit. Ich dachte über diesen Begriff nach, hatte Gelegenheit darüber nachzudenken, während ich mit Edvard, dem Konstrukteur aus Kasachstan, Farbreste aus Maschinenteilen kratzte, eine 6-Stunden-Schicht, die sich auf 12 Stunden ausdehnte.

Dabei waren wir eigentlich gut im Plan gewesen, eine Kolonne von fünfen, die die Aussicht auf 70 Ecu pro Schicht auf Abwege gebracht hatte, untere Mittelklasse, unterste Mittelklasse. Wir hatten ein Arbeitsende gegen zwölf vor Augen, als der Hallenmeister begann, immer neue Details zu finden oder zu erfinden, die nach seiner Ansicht zum Tagwerk dazu gehörten, die unseren Feierabend jenseits des Horizontes verschwinden liess. Ich verliess die Halle mit einem Durst, den ich umgehend am Getränkestand vor dem Laden des Malermeisters Proper stillte, und der Gewissheit, dass das die letzte Schicht für mich gewesen war.

Denn Paula würde mir umgehend verbieten, dort wieder hin zu gehen, bedeutete es doch den Verzicht auf Zeit, die ich ihrer Ansicht nach besser in Haus und Garten einsetzen könnte. Heisst es Maja statt Macho, wenn es um eine Frau geht? So wäre die Biene Maja, die Willy herabsetzt und dominiert, viel feinsinniger benannt als ich je gedacht hätte. Zugleich könnte Paula mir aber nun nie wieder (oder doch wenigstens für einige Monate) vorwerfen, ich hätte mich nicht engagiert, sei faul und kümmere mich nicht um ein äquivalentes Neben-Einkommen. Addiert man dazu den Ertrag aus zwei Schichten ergibt sich hier ein gewisser Vorteil.

Als nächstes werde ich ihr das Kochbuch verkaufen, das ich ihr zum Geburtstag schenken wollte, und dessen Annahme sie umgehend verweigerte. Ihr Wunsch, mich für London 2013 zu sponsorn, ist begrüssenswert.

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