Des Wahnsinns kesse Meute

Während ich das Dach der Garage abdichtete, dachte ich über meine Kollegen nach. Sie sind des Wahnsinns kesse Meute, aber sie teilen dann und wann auch indisches Essen, USB-Stick und Wissen mit mir. Und sie sind professionell genug, um mich über meine Defizite im Unklaren zu lassen. Besässe nur Paula soviel Zurückhaltung! Sie widmet aber jeden freien Samstag Morgen immer noch einer ausführlichen Information zu diesem Thema. Zu ihrer immerwährenden Überraschung mangelt es mir zum einen am rechte Interesse, zum anderen an der Dankbarkeit für ihre Mühe.

Ich bin aber durchaus bereit, ihr Engagement ebenso zu würdigen wie ihre Fähigkeit, Entscheidungen nachträglich umzudeuten. Sie hatte vor einigen Jahren beschlossen, ihre Abende im oberen Geschoss und damit in schätzenswertem Abstand zu verbringen und beklagt nun ihre Einsamkeit, an der ich erwartungsgemäss schuld bin, sowie meine Unfähigkeit in jeder Beziehung, mein Desinteresse an Sex und meine mangelnde Bereitschaft, anderen Menschen etwas zu schenken.

Meine fortgesetzte und schier vorsätzliche Erfolglosigkeit in den Bereichen Beruf, Strassenverkehr, Heimwerken und zwischenmenschliche Beziehungen ist so bekannt, dass sie inzwischen ins Trivial Pursuit aufgenommen wurde. Aber die Geschenke, die sie an Weihnachten und ihrem Geburtstag abgelehnt hat, stehen jetzt bei e-bay und Amazon.

Es scheint sie nicht wenig aufzubringen, dass ich mit ihrer Schwester Chloé gesprochen hatte. Nachdem im Januar zwei Abbuchungen zum Protest gingen, regte Paula sich hingebungsvoll darüber ebenso auf wie darüber, dass Chloé immer noch das Konto benutzt, das sie ihr dazu überlassen hat. Da nun aber etwas geschehen musste, was darüber hinaus ging, rief ich sie an und überraschte sie an ihrem 50. Geburtstag mit einigen klaren Vorstellungen wie es in dieser Beziehung weiter gehen sollte.

In der Ausführung hielt ich das Gespräch heiter und stellte es soweit möglich so dar, dass ich ihr eigentlich helfen wollte (das zu tun, was ich wollte). Wir einigten uns dann darauf, dass sie sich im Rahmen ihres geplanten Umzugs nach Colonia ein eigenes Konto bei der PSD-Bank dort besorgt. So sollte die Arbeitsagentur nichts bemerken und weder ihr noch uns Fragen stellen, die zu beantworten viel Kreativität bedürfte.

Fürs erste frische ich meine Erinnerungen über die kunstvolle Herstellung von Wurstbroten, Rührei und Salaten auf, bis Paula wieder beschliesst zu kochen. Ausserdem liegt in der Packstation bereits ein Buch für mich bereit. Unter diesen Voraussetzungen hat eine Versöhnung keine Eile.

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