Vive Jacques Cartier!

Wäre Jacques Cartier ein moderner, zivilisierter Mensch gewesen, gäbe es heute kein Kanada. Da die Fünf Nationen der Irokesen so weit wir wissen keine Bundesbehörde für Einwanderung und Eingliederung hatten, gab es schliesslich für ihn keine Möglichkeit, die entsprechenden Papiere zu beantragen. Daher wäre ihm nichts anderes übrig geblieben, als den Bug seines Schiffes zu wenden und seiner vor allem aus Rechtsanwälten bestehenden Besatzung Befehl zu geben, zurück nach Frankreich zu segeln.

Statt dessen bahnte er den Weg für die Besiedelung jenes eisig-kalten, von dichten Wäldern bedeckten und von Raubtieren und kriegerischen Wilden bevölkerten Landes, das seinen neuen Bewohnern allein auf Grund seiner Entfernung von ihrer von feudalistischen Herrschern unterdrückten Heimat wie das griechische Arkadien schien. So nannten sie es denn auch, obwohl wir es heute unter dem Namen eines amerindianischen Dorfes kennen.

In Umkehr ihrer Vorstellung, dass alles frei ist, worauf niemand einen Anspruch erhebt, gilt heute, dass es nichts geben kann, das niemandem gehört. Und das ist in aller Regel jemand andres, den wir dafür bezahlen müssen, sein Eigentum zu benutzen. Das Land, auf dem wir leben, das Haus, in dem wir wohnen, das Auto, mit dem wir fahren, die Strasse, auf der wir es fahren, die Software, die wir benutzen, die Musik, die wir hören, das alles gehört jemandem.

Viele von uns besitzen so wenig mehr als billige Klamotten, die von fleissigen indischen Kindern hergestellt worden sind, ein Mobiltelefon aus 2ter Hand und vielleicht noch ein paar eigene Gedanken. Und Anteil an dem, was man Public Domain nennt, dem geistigen, allgemeinen Eigentum, Mozart, Goethe, Defoe, Homer. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat nun beschlossen, uns weiter zu enteignen, indem er die Möglichkeit einräumt, die Urheberrechte für Bücher, Musik, Filme und Bilder zu erneuern, die nach dem bisherigen Rechtsstand bereits abgelaufen waren und so Allgemeingut geworden waren.

Kann sich nun Amazon die Urheberrechte für zahllose Kunstwerke eintragen lassen oder sind es die nach tausenden zählenden Nachfahren des Herrn von Grimmelshausen, die für den 'Simplicissimus' Lizenzgebühren einstreichen? Wird vielleicht einem verdienten Heerführer als Belohnung für ein paar Siege an der Hindukusch-Front vielleicht das Copyright für den 'Lederstrumpf' übertragen?

Oder werde ich selbst schweinereich, indem ich mir beim Amtsgericht von New Leipzig, North-Dakota, die Rechte an der Bibel, dem Koran und der Bhagavad-Gita eintragen lasse? 10 Cent für jedes Vaterunser und jedes "Allah il Allaha, w'rasul Mohammed", 50 Cent für jede Lesung aus der Heiligen Schrift beim Gottesdienst und für jede Sure, die der Hafiz rezitiert. Für diesen Fall ziehe ich den Ankauf von Jamaica als mein privates Resort in Erwägung.

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