Zurück zur Natur

Ich habe eine Kollegin, die stets ihren Wunsch nach einem "natürlichen Leben" ebenso betont wie ihre Homophobie. Vielleicht verhülfen ihr einige Informationen aus der Ethnologie über die Marind-anim in Neu-Guinea, ein Volk, das bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts noch munter in der Steinzeit lebte, zu einer anderen Perspektive und erweiterten ihren Geist:

Jeroen A. Overweel, The Marind in a changing environment

"Marind society strictly segregated the sexes. Even after marriage, men and women lived apart in the men's and women's houses. Adultery could result in death, while at the same time the many Marind feasts involved promiscuous rituals. These, however, had a strict religious character. In Marind culture, safeguarding fertility was very important. At every occasion here fertility or life was at stake, like marriage, making the gardens, the beginning of the hunting season etc. a feast with extended sexual rituals (called otiv bombari) was held. At marriage, for instance, the bride had to have sex first with about ten members of her husband's clan before she was "given" to her husband.

According to Van Baal, the peculiar relation between the sexes in Marind society enhanced the Marind male's aggressiveness (see appendix). This view seems too speculative, but the Marind were aggressive, and were feared by the surrounding tribes. Marind-villages often joined forces and went out as war-parties. They ventured east into British territory (where they were known as Tugeri), west to Frederik Hendrik Island and north across the Digul River. Apart from the religious incentive for head-hunting raids, the raids were also used for robbing tools and other artefacts, and for capturing children. The latter were adopted and received into the tribe as members with the same rights as their own children. Remarkably, in spite of the absence of inter village authority and organisation, the Marind managed to maintain relatively peaceful conditions among themselves.

In spite of the Marind's show of force during war, his position towards nature was much weaker than for modern western men for instance. This led to certain common personality traits among all the tribes on the south coast which had similar ways of life. This will be discussed in later chapters more extensively.

A medical investigation subsequently carried out by Dr. Cnopius was the first to diagnose the disease with certainty. He put forward that the population decrease was not only caused by the disease, but also by the Marind's hypertrophic sexuality. In their rites-system, many times a year women had to have sex with five to ten men in one night. Not surprisingly this could cause infertility. The reason the Marind hadn't already died out before was because of their practice of robbing children from neighbouring tribes and raising them as their own. In this way the Marind-population remained stable. However, because of the pacification in the area by the Dutch government, inter-tribal wars had stopped, thereby ending children-abduction."

Ein anderer, älterer Text des höchst erstaunlichen und um seine Vita so beneidenswerten Ernest Bornemann fasst unverbrämt, aber wertend zusammen:

Interessante ethnologisch-kulturanthropologischeBefunde zur Homo- und Bisexualitaet nach Ernest Bornemann[/url]

"Der extremste Fall der Andersartigkeit, den die Ethnologie entdeckt hat, ist der der Marind-Anim von Neu-Guinea. Ihr Geschlechtsleben war ausschließlich homosexuell, sowohl bei Männern wie bei Frauen. Die jährlich einmalige Paarung zwischen Männern und Frauen galt nur der Erzeugung von Nachkommenschaft und stellte eine Form von so ekelerregender Abartigkeit dar, daß dabei Impotenz nahezu als Norm auftrat. Um die Impotenz zu bewältigen, brachte man den Göttern ein Opfer. Ein Paar wurde während des Geschlechtsaktes in eine Grube geworfen und getötet. Ihr Tod sollte die Götter dazu bewegen, den Männern bei der Befruchtungszeremonie Potenz zu geben und beiden Geschlechtern den Ekel vor dem anderen Geschlecht bei dieser einen Paarung zu nehmen."

Unnötig zu sagen, dass der Wunsch meiner Kollegin nach einem natürlichen Leben sie nicht davon abhielt, ihr erstes Kind mit über dreissig zu bekommen statt zehn Monate nach ihrer ersten Menarche, dass sie sich zwar dem Mobiltelefon verweigert, aber auf PC und Auto besteht und sich den Stoff für ihre Kleidung nicht selber webt.

3 Kommentare zu „Zurück zur Natur

  1. Guten Abend, amüsant hier und sehr lehrreich. Im Januar werde ich 60Jahre-so Gott will—-aber was ich hier alles lernen kann ist gewaltig und sehr oft außergewöhnlich.Danke wieder mal für heute ,sagt Pamela

  2. Originally posted by Pineas:

    Ich habe eine Kollegin, die stets ihren Wunsch nach einem "natürlichen Leben" ebenso betont wie ihre Homophobie.

    Das in Verbindung mit dem Artikel -> 😆

  3. Ja, unsere steinzeitlichen Freunde lebten ein einfaches und gesundes Leben. Jagd, Fischfang, Gartenbau, die heimische Hütte mit den Schädeln der Nachbarn dekoriert, die man verspeist hat, die Götter mit Gebet, Opfern und Gangbang geehrt, und den Rest der Zeit widmet man sich dem Lümmelgetümmel.

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