Der Sultan und sein Kebab-Palast

Als Paula mich des Hauses verwiesen hatte, lag ich eine Stunde lang auf einer Bank an einer Bushaltestelle und hörte dem Universum zu. Irgendwann kam eine junge Frau vorbei, die einen Mann ungefähr des gleichen Alters im Schlepptau hatte. Ihre Körpersprache sagte aus, dass sie nur befreundet waren.

Sie gingen hinüber zum Kebab-Palast, in dem nach Ladenschluss gerade sauber gemacht wurde. Ich hörte sie dann laut von ihrer Arbeit und ihrem Kind sprechen, das das Jugendamt ihr entzogen hatte, weil ihr letzter Freund sie geschlagen hatte. Beides schien sie von einer Bekannten abzugrenzen, die fünf Kinder von ebenso vielen Männern hatte.

Als ich auf dem Weg ins Casino an ihnen vorbei kam, versuchte sie gerade, einen schlanken, jungen Erben des Osmanischen Weltreiches abzuschleppen. Der berief sich heldenhaft auf seine Freundin und verwies auf ihren Begleiter, der sich aber für unzuständig erklärte. Mich, der ich gerade fusslahm, alt und übergewichtig vorbeihinkte, erklärten ihre Hormone für unzuständig.

Dabei hätte ich gerade ein Bett gut gebrauchen können. Ein anderer Mensch darin hätte mich allerdings immer noch gestört.

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