Das Goldene P

Das Fernsehen spuckt Worthülsen aus wie eine Uzi heisses Messing. Ein von einer Revolution weggewischter Diktator wird als Revolutionsführer bezeichnet, Werbespots inszenieren heile Familien und Rollen-Klischees mit aktiven, sportlichen Jungen und Mädchen, die sich fürs Kochen und Schminken interessieren, und auf zwei Programmen laufen gleichzeitig Zeichentrickfilme mit einem gelben Schwamm als Haupt-Figur. Ich könnte genauso gut Paula zuhören, die allerdings nur zwei Themen kennt, von denen es das eine ist, wie überlegen sie mir und jedem anderen ist, das andere, was "wir" unbedingt in und um dieses Haus herum tun müssen. Mir wäre die Frage viel wichtiger, welchen Roller ich in Zukunft fahren werde, zur Arbeit, zum Einkaufen und gerne einmal auch von ihr weg.

Die wirklich wichtigen Sachen sind immer die, von denen gerade keiner spricht. So wie der Aufstieg des Anarchismus, der vor ein paar Jahren noch die Domäne Ewiggestriger und merkwürdiger junger Männer war, und nun in Belgien die Staatsform ist (Wir, Flamen, Wallonen, Deutsche und Migranten, zusammen gekommen unter Albert II. in einträchtiger Zwietracht…) und das politische Credo der Piratenpartei. Ihr Standpunkt zum Urheberrecht, der von Karl-Theodor von und zu Guttenberg ja geteilt wird, ist Kropotkin-mässig anarchistisch. Auf der anderen Seite des Atlantiks unterwandern die Libertarians die republikanische Partei, angetrieben von den Lehrsätzen Mary Hinkles, Max Stirners und L. Neil Smith's und beflügelt vom Geld der Brüder Koch. Durrutti ist tot, Michele Bachmann lebt.

Ich habe mir eben einen Roller im Internet angesehen, den mir der Kalabrier gebraucht angeboten hat, eine Suzuki Estilete in schreiendem Violett mit diversen goldenen Ps in Fettschrift, die entweder für Pineas stehen oder für die Imbisskette Pfannenstiel. Da Paula in einem nicht vorhersehbaren Intervall Wutanfälle bekommt, wenn ich an den PC gehe, oder darauf besteht, dass ich ihr CDs brenne, habe ich mir die Maschine auf meinem Motorola L6 Baujahr 06 angesehen, das ich mit Opera Mobil nachträglich webtauglich gemacht habe. Wer ausser Steve Jobs und der kleinen Iphone-Besitzerin, die uns Happy Time als Unterstützung für die Andere geschickt hat, hat schon verstanden, wie sehr das mobile Internet unsere Gesellschaft verändern kann?

Und wer beginnt endlich die Diskussion über die Neubewertung der Geschlechterrollen? In der Post-9/11-Welt, der Post-Lehman-Brothers-Welt ist eigentlich kein Platz mehr für It-Girls, Paris Hilton-Clones, die nichts zu bieten haben als ihre eigene Existenz. In dieser Beziehung sind sie mir allerdings nicht unähnlich, denn ich kann halbwegs gut nur ich selbst sein. Allerdings habe ich auch einige Bedenken über den Platz, den Frauen in dieser Welt haben, die emsig versichern wie fleissig sie sind, während sie sich erschöpfen, indem sie Anweisungen erteilen und die Arbeit anderer abfällig kommentieren. Ich zähle die Tage, bis ich wieder die Tür hinter mir schliesse, um zur Illinois Electro Door und in mein Leben zu verschwinden. Am Sonntag werde ich die Stunden zählen.

Ein Kommentar zu „Das Goldene P

  1. "People like Anna are helping to make David Cameron's Big Society "vision" a reality. From free judo lessons to building adventure playgrounds or residents uniting to protect their libraries from the threat of closure, across London communities are uniting to help one another.Just one thing… all these programmes are run by anarchist groups."Quelle: The Huffington Post vom 05.09.2011

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