Collien Fernandes

Freund ist mit der Gesamt-Situation unzufrieden und erklärt das denn auch mal gerne nachts um halb vier einem unkastrierten Kater, der sich, auf der Fährte unserer eigenen Katzen ins Haus geschlichen hat. Er bemüht sich ja wirklich, sich mit Mister und Captain zu vertragen und versucht sogar, mit ihnen zu spielen. Bei ihm sieht das allerdings ungefähr so aus, als würde ich vortäuschen, auf einer Party Spass zu haben. Er toleriert sogar meistens die Rücksichtslosigkeit, mit der Lasse seinen Platz neben mir besetzt und sich überall zwischen ihn und mich schiebt, seine Zuneigung erbarmungslos und in gleichem Masse auf mich und Paula verteilend. Aber er hat seine Grenzen. Unser ungeladener Besuch entfloh bei meinem Eintreffen seinem Zufluchtsort hinter der Couch, einige Büschel Haare hinterlassend, in einer Geschwindigkeit, die man, wäre er ein Mensch, "Schweinsgalopp" nennen würde.

Ich bemühte mich um eine ähnlich zügige Rückkehr in mein Bett. Ich hatte da einen Traum angefangen, den ich unbedingt fortsetzen wollte, viel lieber als Collien Fernandes auf Viva bei ihrem Ringen mit ihrem immer noch mädchenhaften Charme und dem drohenden sozialen Absturz ins Dschungelcamp ringen zu sehen. MTV hat sich zum Jahresende in die ökonomische Nische des Pay-TV zurückgezogen, als würde ein Preisschild an einem Programm aus Reality-Shows und Gülcan Kamps die Zuschauer gewinnen, die es geschenkt schon nicht sehen wollten. Viva versucht sich an einem Mischmasch aus Musik-Videos und Second-Hand-Fernsehen, dessen Lebenserwartung die von MTV nicht viel übertreffen wird. Da droht den It-Girls und VJs wohl bald die Frontbewährung im medialen Shdrafbat im australischen Pseudo-Urwald, der sich vom Stadtpark nur dadurch unterscheidet, dass man dorthin sein IPhone nicht mitnehmen darf.

Diese erzwungene Trennung des Delinquenten von seinem Smartphone erklärt auch die als Soldaten verkleideten starkarmigen Bodybuilder. Diese Szenen erspart RTL dann allerdings seinem, sonst nicht wirklich zart besaiteten Publikum. Allerdings ist manchem der zu Prominenten umgelabelten Kleinsparern sein Handy ja auch ein Zuhause im Unbehausten, während er auf jahrelanger Tournee in billigen Pensionen und Bahnhofshotels und sonst als Couchsurfer oder Dauercamper wohnt. Sie sind diesem unkastrierten Streuner nicht unähnlich und leben wahrscheinlich auch in der Furcht vor einem Äquavalent zu einem grossen, etwas angefressenen Kater und seinem orientierungslos-kurzsichtigen Besitzer.

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