No matter how I struggle and strive, I’ll never get out of this world alive

Ich fischte Kinky Friedmans Roman "Lone Star" einhändig aus einem grünen Wäschekorb vor einem Flohmarktstand. Das Gleichgewicht hielt ich dabei mit einer gebundenen Ausgabe von Hans Leips "Bordbuch des Satans". Beim Blättern stiess ich auf ein, zwei begrüssenswert frauenfeindliche Stellen und beschloss 50 Cent zu investieren, während ich noch überlegte, ob dieser Friedman nicht der ehemalige Sänger der "Jewish Cowboys" war.

Er wars tatsächlich, der Autor von Songs wie "Get your biscuits in the oven and your buns in the bed" und "They ain't makin' jews like Jesus anymore" und seines eigenen, zweiten Lebens als fiktiver Privatdetektiv in New York mit Katze, ungeheiztem Loft und einem lesbischen Tanz-Studio in der Etage darüber. Im Roman jagt Friedman einen irren Serien-Killer, der sich auf Country-Musiker verlegt hat, weil er sich für Hank Williams hält, und weil er seinen toten Bruder vermisst. Ich bin kein Fan der nordamerikanischen Volksmusik, aber eine Textzeile wie "No matter how I struggle and strive, I'll never get out of this world alive" spricht davon, dass Hank Williams einen hohen Grad von Erleuchtung erreicht hatte.

En passant lässt Kinky Friedman etliche seiner Freunde in Nebenrollen auftreten. Wie ähnlich sind die Buch-Charaktere ihren gleichnamigen Vorlagen? So ähnlich wie Pineas meinem anderen ich? Eine Frage für das Fräulein Devi, die aber gerade mit ihrem AyPhone beschäftigt ist. Sollte ich ihr verraten, dass das Logo des Herstellers normalerweise keine Mandarine ist?

Kinky Friedmans Frauenfeindlichkeit ist optimistisch und wird deshalb zum verbalen Chauvinismus. Meine Frauenfeindlichkeit ist das Ergebnis des über Jahrzehnte kultivierten Gefühls des Abgelehntwerdens. Wenn allerdings auf der anderen Seite der Strasse die Unterschichtlerin hinter ihrer Tochter herschreit, Paula die neueste Episode von "Dicke Menschen nehmen ab" sieht und die Tochter des Küsters Vater, Mann und Söhne terrorisiert, kommt mir schon der Gedanke, dass es auch objektive Gründe gäbe.

Für beide Bücher zusammen zahlte ich 2,50. Für diesen Preis kann man heute nicht mal mehr im Freibad seine Phantasie füttern.

Werbeanzeigen

2 Kommentare zu „No matter how I struggle and strive, I’ll never get out of this world alive

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s