Die meeresfrische Lena Meyer-Landrut

Mich umwaberten die Wohlgerüche der Reinigungsmittel-Abteilung des Warenhauses. Badreiniger "Meeresfrische", der Bodenreiniger, der nach der germanischen Göttin der der Kernseife benannt ist, Polyboy-Möbelpolitur, der Geruch frischer Bettwäsche. Von allen deutschen Traditionen ist mir keine teurer als die, das Haus am Samstag morgen zu putzen.

Während dessen überlegte ich, wie ich einem Amerikaner, etwa Daisy Porter, den Eurovision Song Contest erklären könnte, eine Veranstaltung, die so vollständig auf verbindliche und einheitliche Bewertungskriterien verzichtet, dass es quasi reiner Zufall ist, wer gewinnt. Es könnte sogar eine Abiturientin aus Hannover sein.

Die Wahl des deutschen Kandidaten als Casting Show war der bürgerliche Gegenentwurf zu Shows wie DSDS und Popstars. Hier durfte man Abitur haben und auch dazu stehen. Bei DSDS lässt man sich besser geschwind auf die "dralle Blonde mit den dicken Hupen" oder die "Alleinerziehende mit dem Migrationshintergrund" reduzieren, um der Zielgruppe, die die Macher der Show in der Unterschicht vermuten, sympathisch zu sein.

Da traten denn auch junge Menschen auf, die als Singer-Songwriter oder Leadsänger einer Band semi-professionell Musik machten und sich mit ihren Leistungen für ihre spätere berufliche Laufbahn empfahlen. Und Lena Meyer-Landrut, die Blüte am Cereus einer Familie notorischer Juristen und Diplomaten, liebenswert-verhaltensauffällig, nett, ein bisschen ironisch, intelligent.

Die Informationsfetzen, die ich aus Interviews und Web filtere, lassen mich vermuten, dass ihre Eltern geschieden sind, der Bindestrich im Namen ihres Grossvaters, sein Geburtsort und Lebenslauf, dass auch schon sein Vater Diplomat war.

Natürlich werden wir nicht gewinnen. Den EuroVision Song Contest nicht zu gewinnen ist eine weitere dieser treu-deutschen Traditionen und fast ebenso ehrwürdig wie Samstags zu putzen. Aber wir werden wenigstens Spass haben.

Bildquellen: http://klatsch-tratsch.de/wp-content/uploads/2010/03/USFO_7_Entscheidung_Lena.jpg
http://my.opera.com/Pineas2/albums/showpic.dml?album=641953&picture=33288631
http://www.pferd-aktuell.de/PM-Vorstand-.3469.29922/index.htm

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8 Kommentare zu „Die meeresfrische Lena Meyer-Landrut

  1. Ich habe den Song zu "Unser Star für Oslo" kurz im Radio vernehmen dürfen. Und weil der so gut war, kann ich mich schon nicht mehr an ihn erinnern.

  2. … morgens die Wohnung, nachmittags das Auto, abends die Kinder … die Samstage in der Republik haben sich nicht wirklich verändert.

  3. … ach, zum Glück weder Radio noch TV in der Nähe … aber irgendwann/-wie werde ich dem wohl auch gesetzt sein … hoffentlich, ich kann das dann auch wieder so schnell vergessen

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