Die Peinlichkeit der Piraten

The Bart schreibt hundert Mal an die Tafel „Ich darf meine Frau nicht schlagen“. Während mein Verstand einmal mehr auf einen Spaziergang geht, reduzieren sich ihre ausführliche, genaue und leider auch zutreffende Aufzählung meiner charakterlichen Defizite in meinem Kopf auf ein rosenkranz-artig wiederholtes „lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit.“

Ich mache derweil einen kleinen Abstecher nach Kaliningrad und ein paar Wochen in die Vergangenheit, als ein paar Jungs mit mehr Ambition als Voraussicht ein gewisses Objekt aus dem Inventar der Ostseeflotte klauten. Die Idee, es auf einem Holzfrachter zu verstecken, der dort gerade preisgünstig generalüberholt wurde, war ja nicht ganz so schlecht. Es gibt Dinge, mit denen im Handgepäck man schlecht am Kaliningrad International einchecken kann. Es nutzt jedoch der beste Plan nichts, wenn man kein Glück hat. Anderenfalls wäre ich inzwischen sehr, sehr reich. Und gerade jetzt nicht hier.

Wenn man in Finland nicht aufs Schiff kommt, um in aller Ruhe das Versteck zu öffnen und die Beute zu bergen, kann die Idee als Polizist verkleidet eine Bootspartie mit geselliger Razzia auf der Ostsee durchzuführen, als eine adäquate Lösung erscheinen. Addiert man zu diesem Mangel an Glück noch maritime Unkenntnis und Misskommunikation und lässt sich vom Kapitän des Frachters dann auch noch überreden, eine Funkmeldung über einen Piratenüberfall auf der Ostsee abzusetzen, muss die Geschichte ein schlimmes Ende nehmen.

Das riecht nach lebenslänglich Butyrka, da hilft es auch nicht, das AIS abzuschalten und Kurs auf Westafrika zu nehmen, wo die Behörden sich – vielleicht, hoffentlich – nicht von Gesetzen und Fahndungsersuchen in ihrer Ruhe stören lassen. Vorher muss man aber an jenen Inseln vorbei, auf denen Soldaten und Polizisten das Meer mit allen Mitteln nach den klapprigen Kähnen afrikanischer Einwanderer und den schnittigen Booten der Drogenschmuggler absuchen.

Einen ausgewachsender Holzfrachter werden diese Unentwegt-wachsamen auf den vorgeschobenen Posten der EU nicht übersehen, der viel Vorsprung bräuchte, um den Schiffen der Schwarzmeer-Flotte zu entgehen, die so arg plötzlich vor der nordafrikanischen Küste auftauchen, um auch gleich im Atlantik die Jagd aufzunehmen, dass es schwer fällt zu glauben, es ginge der russischen Regierung um 15 Wähler. Allzu emsig betonen die russischen Mariner denn auch, allein für die Rettung ihrer Landsleute zuständig zu sein; ganz höflich halten sich Franzosen und Spanier zurück – der Verlust eines gewissen Objektes muss von einer seinen monetären Wert drastisch überschreitenden Peinlichkeit für eine Kriegsmarine mit arg angekratztem Image sein.

Und mit Peinlichkeiten kenne ich mich aus, bin sogar Spezialist dafür. Schliesslich ging es bei Paulas Vortrag nicht zuletzt darum, dass ich einen Artikel in einem Geschenkartikel-Laden bestellt hatte und dann versucht hatte ihn dort abzuholen, wo sich der Laden nach meiner verschwommenen Erinnerung befunden hatte. Inzwichen war er zwei Hausnummern weiter gezogen, seinen Platz einem anderen Geschenkartikel-Laden überlassend, dessen Personal von meiner Bestellung mit einer gewissen Unausweichlichkeit so wenig wusste wie ich vom Umzug des anderen Unternehmens.

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3 Kommentare zu „Die Peinlichkeit der Piraten

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