Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Menschen ist die ballistische Kurve

Ich bin die Einträge in diesem Blog einmal durchgegangen. Paula würde, fände sie es zufällig surfenderweise, nicht anhalten. Sie würde ein, höchstens zwei Einträge lesen und weiter gehen. Der exzessive Gebrauch des Dativs, die literarischen Anspielungen, das gelegentliche Gerundium, die Wortspiele, all das würde sie nicht verstehen. Sie gehört nicht zu denen, die eine Schaufel Schippe nennen, weil es ihnen gerade Spass macht, eher zu denen, die auf so etwas aggressiv reagieren.

Es gibt nun einmal Kinder, die Tante Camilla in St. Trinian nicht aufgenommen hätte.

Paula hat mir zwar glaubhaft versichert und das durch den Besuch eines Exemplars auch belegt, dass sie vor unserer Bekanntschaft "Nicht ohne meine Tochter" von Betty Mahmoody gelesen hat. Zu meiner Überraschung habe ich sie nun mit Kerkelings Hörbuch im CD-Player überrascht. Wenigstens scheint es sich beruhigenderweise jedoch nicht um ein aufkommendes religiöses Interesse zu handeln, sondern einfach um die klare, einfache Sprache dieses Rheinländers, die sie gefangen nimmt.

Der Protestantismus, in dem sie erzogen wurde, erschöpft sich üblicherweise darauf, an Weihnachten zum Gottesdienst zu gehen. Gelegentlich bemüht sie Gott allerdings auch, um meine Minderwertigkeit zu belegen. Er nimmt es gelassen, ich inzwischen auch.

Zu einer ganz anderen religiösen Übung hält sich dieser Tage das Fäulein Devi in Indien auf. Kein tagelanger Fussmarsch allerdings über staubige Strassen inklusive Übernachtungen in psychedelischen Rastfahrer-Kneipen – sie besucht den Bhagwan einer kleinen Sekte, bei der sie als Inkarnation einer freundlichen Göttin des Chaos verehrt wird. Ich versuche immer noch, in der Bhagavad Gita den Vers zu finden, auf den sich diese weissgekleideten Vollmatrosen beziehen.

Bis jetzt habe ich noch keine Antworten darin gefunden , aber einige Fragen. Vor allem die nach meiner eigenen Religiosität. Ich bin von der Kirche, mit der ich mich normalerweise identifiziere, durch Paula und die Finanzkrise, die globale wie meine eigene, abgeschnitten. Sie ist weit entfernt, die Gottesdienste auf dem Land und die Gratis-Kirchenzeitschrift wurden gestrichen.

Ich habe über bestimmte Dinge viel nachgedacht. Die Ansichten der Reformatoren über die Macht Gottes, den Glauben, die Prädestinationslehre[ und die Ehescheidung scheinen mir überzeugend, ebenso wie einiges von Augustinus. Sollte ich also eine Brücke zu den Menschen finden, über die ich gehen kann, werde ich mich wahrscheinlich bei der Evangelischen Gemeinde in der nächsten Stadt einfinden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s